Das Huajuyuen-Theater in Qingdao und die Kammerspiele Paderborn aus Deutschland, arbeiten seit zwei Jahren an ihrer gemeinsamen Inszenierung “Long Ya” welche am 11. Juni 2011 in Qingdao uraufgeführt wird. Im Rahmen dieser Partnerschaft gibt es eine Begegnung beider Länder in Literatur und Gesprächen, zunächst in Qingdao und im November 2011 in Paderborn.
“Stille ist der Klang des Abschieds…”
Gedichte aus Deutschland und China. In deutscher und chinesischer Sprachen von der Tang-Dynastie bis in die deutsche Gegenwart
Überbordend vital, voller Lust und Witz sind die Gedichte der Klassiker deutscher und chinesischer Kultur, die die beiden Schauspieler Wolfgang Menardi und Wang Ke vortragen.
Von Liebe und Sehnsucht wird gesprochen und über erfülltes und unerfülltes Glück. Über die Höhen und Abgründe dazwischen geht es in den Gedichten von Heine, Hesse, Eichendorff, Domin, Kaleko, Li Bai oder Zu Xhimo. Von der “Nähe des Geliebten”, der “Sehnsucht nach Camebridge” oder einer “Zärtlichen Nacht” wird erzählt.

Unser Partnertheater “La Baracca” lädt jedes Jahr am 1. Mai Jugendliche aus Spielclubs ein, eine Performance gemeinsam in 3 Tagen zu erarbeiten und im Parco delle Mondine in Medicina (25 km von Bologna entfernt) aufzuführen. 2011 waren unter den 60 Jugendlichen auch 5 aus dem Spielclub 3 des Jungen Ensemble Stuttgart. Thema der Performance war Sport und Moral: “Che vinca il migliore! .. Ció, speremo de no!” (“Möge der Bessere gewinnen! … Ich hoffe nicht!”) Hier ein paar Eindrücke dieser Theaterreise:
“Als ich nach Italien fuhr, konnte ich kein bisschen Italienisch. Jedoch konnte ich stolz vorweisen, dass ich den Propaganda-Song des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gelernt hatte. Als ich in Italien ankam, informierte ich mich schnell über die politische Stimmung in Bologna. Sie war definitiv nicht Pro-Berlusconi. In den nächsten 2 Tagen stimmte ich gelegentlich das Lied an, konnte aber an den überraschten Blicken der anderen Jugendlichen erkennen, dass dies wohl nicht ihr Musikgeschmack war. Am letzten abend in Medicina, dem Ort wo das Theaterfestival stattfand, saß ich draußen mit einer Gruppe aus Bergamo. Um uns herum saßen viele erwachsene Leute, die ich noch nie gesehen hatte. Wir sangen gemeinsam mit der Gruppe aus Bergamo diverse Lieder von Oldies bis zu aktueller Musik. Das italienische Bier flüsterte mir zu, dass nun der Moment gekommen war, das Lied, dass ich gelernt hatte, anzustimmen. Plötzlich wurden die Stimmen um mich herum leiser, ich drehte mich um und ein paar Leute blickten überrascht herüber. Die Blicke sagten mir alles. Schnell redete ich auf Englisch weiter, laut genug sodass jeder hören konnte, dass ich nicht von hier bin. Dieser Moment zeigte mir, dass ich das nächste Mal besser etwas von Eros Rammazotti lernen werde.” Lee Kensok

Bei der Verleihung des nationalen Theaterpreises Frankreichs, dem Molière, am 17.04.2011, der die besten französischsprachigen Bühnenproduktionen und Theaterschaffenden des vergangenen Jahres prämiert, erhielt Joёl Pommerat gleich zwei Auszeichnungen. Eine für seine Compagnie „Louis Brouillard“ in der aktuellen Produktion “Ma chambre froide“ und die zweite als „Meilleur auteur francophone vivant“, als Bester lebender französischer Autor. Wir gratulieren herzlich!
Mit reduzierten Mitteln inszeniert Andrea Gronemeyer mit einem indisch-deutschen Ensemble eine packende Geschichte
Fast täglich hört man diese Meldungen: Wieder ist ein Flüchtlingsboot gekentert, vor Lampedusa zum Beispiel. Einige wenige konnten sich retten, viele sind ertrunken, die genaue Zahl kennt niemand. Im Mannheimer Schnawwl bekommen zwei dieser Flüchtlinge Gesichter und Geschichten. Es sind Menschen wie Krysia und Naz, die sich unter Lebensgefahr auf dem Weg in die scheinbar bessere Welt machen. Mit dem Wanderlust-Partner, dem Ranga Shankara Theater aus dem indischen Bangalore, entwickelt Regisseurin Andrea Gronemeyer grandioses Erzähltheater: “Der Junge mit dem Koffer”.

Zwei Schauspieler, ein Mensch: B. V. Shrunga als junger Naz und David Benito Garcia als Erzähler.

Nach mehrmonatiger Arbeit feierte Joёl Pommerats „Ma chambre froide“ am Pariser Odéon-Théâtre de l´Europe seine Premiere:
Ein wohlhabender, aber nicht sonderlich attraktiver Mann – beflissener Erotomane und unheilbar erkrankt – will seinen Besitz nicht an seine leiblichen Kinder vererben, sondern an die Angestellten eines Supermarkts, der ihm gehört. Er will beweisen, dass er unersetzbar ist. Und er will unsterblich sein! Als Gegenleistung für das Erbe sollen die Angestellten ein Theaterstück über sein Leben verfertigen und zehn Jahre lang je ein Mal pro Saison aufführen. Die zukünftigen Millionäre sind von dieser Aufgabe überfordert. Unter den Angestellten befindet sich aber eine gutherzige Frau, die heimlich in das vermeintliche Scheusal verliebt ist und es mit Hilfe des Theaters läutern will. Da es ihr an Durchsetzungskraft mangelt, erfindet sie einen Bruder, der statt ihrer die Theaterproben leitet. Dieser Bruder, verkörpert von ihr selbst, wird zum Objekt der Begierde des kranken Mannes, der inzwischen im Krankenhaus auf den Tod wartet. Aber auch der Bruder kann das Theater und die angeschlagene Firma nicht retten …
Die deutschsprachige Presse lässt diesen Abend nicht kommentarlos vorüberziehen. Eberhard Spreng schreibt auf www.dradio.de: „Wie in seiner vorangegangenen Arbeit versammelt Joёl Pommerat das Publikum in einer kleinen Manege, in der die rasche Szenenfolge mit äußerst sparsamen spielerischen und regielichen Mitteln vorangetrieben wird. Und dennoch bekommt das Geschehen um die ökonomischen Nöte dieser Genossenschaft immer wieder magische Momente: Es sind Reminiszenzen aus der Vergangenheit, die finsteren Mächte der Kindheit, die vor allem Blocq und Estelle nicht loslassen. Pommerats Theater ist ein zauberhaftes Faszinosum: es führt die Zuschauer im Handumdrehen von dem Lachen der Farce ins epische Theater, vom kruden Supermarktrealismus zu den Dämonen der Seele. Es ist komisch und tiefgründig zugleich und bleibt bis zum Schluss ein spannendes Rätsel.“
In der „Neuen Zürcher Zeitung“ schreibt Marc Zitzmann: „Alltag und Albtraum. Immer wieder durchbrechen surreale Blüten den Betonboden von Pommerats Geschichten aus der Berufsrealität: Versatzstücke aus Fernsehshows, Groschenromanen oder Filmen wie jenen von Pedro Almodóvar oder David Lynch. (…) Jeden Wechsel zwischen den zahlreichen, überwiegend kurzen Szenen markiert ein Moment völliger Finsternis – harte Schnitte, denen etwas Filmisches eignet und die dem Spektakel seine dunkle Grundierung geben. Kontrapunktiert wird dieses durch die leise, nie überzeichnete oder gar ätzende Situationskomik, die viele Szenen charakterisiert - Pommerat richtet bei der Behandlung eines a priori trockenen Sujets wie der Verwaltung von Unternehmen den Fokus nicht auf Ideologisches oder Politisches, sondern auf Humoristisch-Allzumenschliches.“
Nach gemeinsamen Workshops in Halle und Toulon tragen wir nun das „Pommeratsche Feuer“ ins Puppentheater Halle und erarbeiten – unterstützt von der Compagnie Louis Brouillard – die Deutschsprachige Erstaufführung!
Skadi Gleß und Ralf Meyer
